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Vereinfachung

Vielen Dank an Chuck Gartner für den Vorschlag, für diese Lektion einen etwas anderen Ansatz zu wählen.

Das Thema der heutigen Lektion ist "Vereinfachung". Meiner Meinung nach ist das die wichtigste "Regel" des Bildaufbaus und guter Fotografie im Allgemeinen. Trotzdem gibt es einen Grund warum ich dieses Thema nicht für meine erste Lektion verwendet habe: Um erfolgreich vereinfachen zu können, benötigen Sie ein gewisses Handwerkszeug, das Sie für die Vereinfachung einsetzen können: Sich einfach nur auf ein Detail einer Szene zu konzentrieren und den Rest des Bildes zu vergessen, funktioniert normalerweise nicht. Die Drittel-Regel gehört zum Beispiel zu diesem Handwerkszeug.

Bei der Vereinfachung geht es um das Finden des hervorstechenden Merkmals im Foto, das Entfernen störender Details und um die Beziehung darin. Entscheiden Sie, auf was im Foto der Hauptaugenmerk gerichtet ist. Bauen Sie den Rest um das Motiv herum auf. Entfernen oder unterdrücken Sie alles, was mit dem Hauptaugenmerk (=Motiv) in Konkurrenz stehen könnte.

Blickfänge

Wenn Sie über Vereinfachung und die Auswahl Ihres Motivs oder den Punkt meisten Interessses nachdenken, kann es hilfreich sein an die Arten zu denken, wie wir Menschen die Dinge wahrnehmen und "erkennen". Jeder der nachfolgenden Dinge wird normalerweise als Blickfang verwendet und kann für eine Vereinfachung genutzt werden, wenn er ungefähr entsprechend seiner Wirkung arrangiert ist:

  • Augen
  • Gesichter
  • Die menschliche Gestalt im Allgemeinen
  • Tiere
  • Beleuchtete Objekte (vor dunklem Hintergrund)
  • Dunkle Objekte (vor hellem Hintergrund)
  • Objekte mit warmen Farben (vor kalten oder ungesättigten Hintergründen: rot auf grün, rot auf grau)
  • Objekte mit starkem Kontrast

Mit "Wirkung" meine ich, dass ein "wirkungsvollerer" Blickfang normalerweise gegen einen "schwächeren" bei einer Konkurrenzsituation die Oberhand behält. Die Blickfänge können auch für besondere Effekte kombiniert werden. Zum Beispiel wird in einer Fotografie eine einzelne hell oder weiß gekleidete Person, die direkt in die Kamera sieht, gegenüber einer grau gekleideten Menschengruppe, die woanders hinsieht, hervorstechen. Finden Sie eine interessante Art sie zu positionieren und Sie können ein recht gutes Foto erhalten.

Techniken und Fallen

Es gibt eine Anzahl Dinge, die Sie tun können, um ein Foto zu vereinfachen. Besonders dann, wenn Sie sich im klaren sind, was Sie vorhaben. Sie können zum Beispiel:

  • Hineinzoomen (oder näher ran gehen), um störenden Details aus dem Ausschnitt zu entfernen
  • Herauszoomen (oder weiter zurück gehen), um störende Details in einem Muster verschwinden zu lassen und um die Gesamtheit der Szene hervorzuheben
  • Mitziehen (das Objekt über einen längeren Zeitraum trotz Bewegung am gleichen Punkt des Ausschnitts festhalten)
  • Nach links oder rechts gehen, niederknien, sich hinlegen, auf etwas raufklettern oder Ihre Kamera über den Kopf halten, um störende Objekte aus dem Hintergrund zu entfernen
  • Eine große Blendenöffnung für geringe Tiefenschärfe wählen, um ablenkenden Hintergrund verschwimmen zu lassen (Leider gibt es bei Digitalkameras mit kleinen Sensoren dafür nur wenig bzw. keinen Spielraum.)

Dinge, auf die Sie achten (und die Sie vermeiden) sollten:

  • Verschmelzungen – ein Objekt aus dem scharfen Hintergrund verschmilzt mit Ihrem Motiv, z.B. ein Baum, der aus dem Kopf Ihres Motivs "herauswächst"
  • Rivalisierende Zentren der Aufmerksamkeit – zum Beispiel zwei Personen, die beide in die Kamera hineinblicken, aber so zueinander stehen, dass sie nicht zusammen gehören (also einzelne Bildelemente sind)
  • Chaotische Hintergründe – ein Hintergrund mit vielen Details und starken Kontrasten überschwemmt Ihr Motiv (das "Herauszoomen" oder geringe Tiefenschärfe bringen am Meisten in dieser Situation)
  • Abschneidungen – halbe Personen oder halbe Objekte kommen normalerweise nicht gut an. Wenn Sie nur einen Teil einer Person im Ausschnitt haben möchten, vermeiden Sie es sie an einem Verbindungspunkt abzuschneiden – eine halber Oberkörper ist zum Beispiel viel besser als ein Abschneiden am Knie oder an der Hüfte.

Viele Möglichkeiten für Vereinfachungen

Das Prinzip der Vereinfachung kann man am Besten mit ein paar Fotos demonstrieren, die ich während der Ferien in Tyre gemacht habe. Es gibt zwei große Bereiche mit alten Ruinen und Ausgrabungen in der Stadt. Eine beim antiken Hafen, die andere im Inland. Beide sind absolut spektakulär – aber nicht zu offensichtlich für Fotografen, schon allein wegen den Unmengen an Material darin.

Es gibt viele Ansätze für eine Vereinfachung. Einige Beispiele:

Die einfachste Methode ist ein Detail aus der Szene herauszunehmen und das restliche Foto um das Detail herum aufzubauen:

oder

Eine andere Möglichkeit ist das Finden eines Bereiches im Motiv, das weniger zerrissen ist oder interessante Formen oder Muster aufweist. Der Bildaufbau erfolgt dann um diesen Bereich herum.

Noch eine Möglichkeit ist das Gegenteil von Konzentration auf ein Detail – verwenden Sie einen Weitwinkel oder gehen Sie weiter weg, damit die chaotischen Details verschwinden und das "große Ganze" erscheint:

oder ... (das wurde nicht in Tyre gemacht):

Aufgaben

  1. Wählen Sie ein Foto aus denen aus, die Sie kürzlich aufgenommen haben. Untersuchen Sie es und versuchen Sie sich an die Szene zu erinnern. Präsentieren Sie das Foto, wie Sie es ursprünglich gemacht hatten und
    • beschneiden Sie es unterschiedlich nach den Prinzipien der Vereinfachung (und, wenn Sie möchten auch nach weiteren "Regeln" des Bildaufbaus). Erklären Sie, warum Sie auf diese Weise beschnitten haben. Sorgen Sie sich nicht wegen verlorener Pixel oder technischer Qualität: Schneiden Sie soviel weg, wie für einen guten Bildaufbau notwendig ist.
    • Beschreiben Sie eine andere Art und Weise, wie Sie das Bild von Anfang an hätten aufbauen und machen können.
  2. Machen Sie ein Foto nach den Prinzipien der Vereinfachung. Zeigen Sie es und erklären Sie
    • warum Sie auf diese Weise vereinfacht haben, und
    • was Sie getan haben um die Vereinfachung zu bewirken.

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